Reisen in einem E-auto mit geringer Reichweite - Renault Zoé
Pädagogik

E-Auto mit geringer Reichweite – Renault Zoé: Weite Reisen sind möglich!

Wenn auch die Theorie nützlich ist, um die Grundlagen des Aufladens eines Elektroautos zu erlernen, so geht doch nichts über die Erfahrung in der Praxis, manchmal auf Kosten… markanter Lektionen. Chargemap will Sie an den Erfahrungen von Fahrern teilhaben lassen, die sich nicht scheuen, die Limits zu überschreiten, auch mit Automodellen mit geringer Autonomie. Wir beginnen diese Serie mit dem Erfahrungsbericht von Joëlle, Pionierin des E-Autos… und Moderatorin Ihrer Beiträge bei Chargemap.

 

Das E-Auto: Unerreichter Komfort

Joëlle ist eine der Pioniere des elektrischen Fahrens. Ihre Reise begann 2015 an Bord eines Fahrzeugs mit Reichweitenverlängerung: dem Ampera. „Damals hat mich die Elektrizität gereizt, aber ich bin viel herumgefahren und es gab nicht so viele Ladesäulen wie heute“, erinnert sie sich. „Die Möglichkeit, auf den Verbrennungsmotor umzuschalten, hat mir anfangs ein besseres Gefühl gegeben.“

Nachdem sie bereit war, auf ein 100% elektrisches Modell umzusteigen, hatte Joëlle die Gelegenheit, einen Tesla Model S 70D und einen Peugeot Ion zu fahren und fährt jetzt einen Renault Zoé ZE. „Man kommt schnell auf den Geschmack, wie komfortabel und leise das elektrische Fahren ist. Für mich gibt es kein Zurück mehr“, sagt Joëlle. 


Erste Erfahrung in einem E-auto mit geringer Reichweite: Frankreich im Winter durchqueren

„Ich musste meinen Peugeot Ion in Chauvigny bei Poitiers abholen.“ Das Mindeste, was wir sagen können, ist, dass diese erste Erfahrung im Winter mit einem E-Auto mit kleinem Motor es Joëlle ermöglichte, sich daran zu gewöhnen. Sie erinnert sich: „Es war im Februar 2016, das Auto hatte etwa 80 km Autonomie. Nach ein paar kalten Schweißausbrüchen habe ich meine Wette gewonnen, das Fahrzeug zurück in meine Heimat in die Region Grand Est zu bringen, auch wenn ich dafür zwei Tage gebraucht habe.“


Zahlreiche Fahrten im Renault Zoé

Seit 2017 fährt Joëlle ausschließlich im Renault Zoé (erste Generation, Kontinentalmotor Q210). In Bezug auf die Reichweite waren die ersten Generationen von Zoé weit davon entfernt, die Leistung eines aktuellen Zoé zu erreichen. „Bei optimalen Wetterbedingungen und konsequentem Eco-Driving kann ich eine Reichweite von 190 Kilometern erreichen. Im Winter würde ich sagen, sind es eher 110.“

Für Joëlle ist die Autonomie kein Hindernis: „Ich habe keine Angst, ans andere Ende Frankreichs oder in die Nachbarländer (Deutschland, Österreich, Schweiz) in den Urlaub zu fahren.“ Sie glaubt, dass es möglich ist, solange man gut vorbereitet ist  und die Ladeeigenschaften seines Fahrzeugs kennt.

Sie erinnert sich an ihre größte Reise: „Ich fuhr in die Vendée, dann ging es über Aveyron und Paris zurück in den Osten. Und das alles bei einem Aufenthalt von 3-4 Tagen.“


Der Schlüssel zum Erfolg in einem E-auto mit geringer Reichweite? Die Vorbereitung der Route

Um möglichst viele unangenehme Überraschungen während einer langen Reise mit einem Elektrofahrzeug mit kurzer Reichweite zu vermeiden, ist es am besten, gut vorbereitet zu loszufahren. 

Autobahnen meiden

„Ich schließe die Autobahn systematisch aus. Der Verbrauch ist viel zu hoch für meinen Zoé. Ich fahre ausschließlich auf National- und Landstraßen“, sagt Joëlle. 

Die Ladestopps richtig auswählen

„Um die Ladestationen entlang der Route zu lokalisieren, verwende ich Chargemap. Das ist für mich sehr nützlich, um die Ladesäulen der verschiedenen Betreiber zu finden. Und das sage ich nicht, weil ich dort arbeite“, sagt Joëlle. „Ich filtere meine Suche nach der Leistung der Ladesäulen, die zu meinem Fahrzeug passen (18 oder 43 kW) und lasse mir nur solche anzeigen, die rund um die Uhr geöffnet sind. Ich schließe daher Autohäuser aus, aber ich wähle ein Maximum an Ladenetzen aus, um genügend Auswahl zu haben.“

Joëlle konsultiert dann die Detaildatenblätter der Ladestationen in der Chargemap-App und prüft die Kommentare, die von anderen Mitgliedern der Community hinterlassen wurden. Hat sie ihre bevorzugten Ladestationen ausgewählt, muss sie nur noch die GPS-Koordinaten in ihren Bordcomputer übertragen, sobald sie sich auf den Weg macht.


Was tun, während das Fahrzeug geladen wird? 

Diese Frage stellt sich sehr oft und ist ein Argument, das für Fahrer von Autos mit Verbrennungsmotor, die die Ladedauer mit der Tankdauer für einen vollen Benzintank vergleichen, abschreckend wirkt. 

Joëlles Zoé kann bis zu 43 kW in AC (heute sehr selten) in 30 Minuten und bis zu 22 kW in etwa 1 Stunde aufladen. Ihrer Meinung nach kann diese Zeit leicht optimal genutzt werden. „Bis zum Check-in, dem Einstellen eines Kommentars/Fotos auf der Chargemap, der Überprüfung des nächsten Stopps und der Übertragung auf das GPS ist ein guter Teil der Ladezeit vergangen.“ 

Ist die Ladezeit etwas länger, ist das die Gelegenheit, etwas zu essen (und eine Pinkelpause einzulegen) oder die Umgebung zu erkunden, wenn sich die Ladestation in einem kleinen Dorf befindet. 


Die Fahrweise und den Blick auf die Strecke verändern

„Man muss seine Beziehung zur Strecke ändern, wenn man auf Elektroantrieb umsteigt“, sagt Joëlle mit Überzeugung. „Als ich noch mit einem Verbrenner unterwegs war, wollte ich keine Zeit verlieren. Seit ich ein Elektrofahrzeug fahre, sehe ich die Strecke als Teil der Reise. Ich entdeckte neue Landschaften, neue Orte, an denen ich nie angehalten hätte“, fährt sie fort.

Natürlich ist sich Joëlle bewusst, dass ihre Situation privilegiert ist. Wenn jemand zum Beispiel mit seiner Familie in einem E-Auto mit geringer Reichweite unterwegs ist, gibt es Einschränkungen, die vor der Abfahrt bewertet werden müssen.

„Ich reise allein. Meine Autonomie ist daher mehr als ausreichend.“


Ein E-auto mit geringer Reichweite fahren: Letzte Tipps

Plan B (und C) bereithalten!

Joëlle rät, immer dort anzuhalten, wo es im Umkreis von 10-15 km weitere Ladesäulen gibt. „Wenn mir eine Ladesäule gefällt, sie aber weit und breit die einzige ist, werde ich nicht dorthin fahren. Selbst wenn man einen Umweg fährt, würde ich lieber dafür sorgen, dass mehrere Ladesäulen in der Nähe sind, nur für den Fall.“

Sie erinnert auch daran: „Mit der Aufladung muss man nicht warten, bis die Batterie fünf Prozent erreicht hat. Es ist immer besser, ein wenig Spielraum zu lassen, falls man auf eine andere Ladesäule in der Nähe zurückgreifen muss.“

Fuß vom Gas

Laut Joëlle ist der beste Rat, den man jemandem geben kann, der mit einem E-Auto mit geringer Reichweite reisen möchte, die Autobahn zu meiden und sich Zeit zu lassen. „Man muss bedenken, dass die Reise doppelt so lange dauert“, mahnt sie. „Gut vorbereitet und mit der richtigen Geisteshaltung ist die Herausforderung machbar.“



Wir hoffen, dass dieser Beitrag diejenigen Autofahrer beruhigt hat, die nicht das Glück – oder die Bereitschaft – haben, Modelle mit hoher Reichweite zu fahren, und ihnen vielleicht helfen kann, sich für weite Strecken im E-Auto zu entscheiden.

Haben Sie, wie Joëlle, Tipps für das Fahren über weite Strecken mit Ihrem Elektrofahrzeug mit geringer Reichweite? Dann hinterlassen Sie uns einen kurzen Kommentar.

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11 Kommentare
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Harald Eidinger
Harald Eidinger
22 Januar 2021 20 h 01 min

Ich kann mich da ich auch schon seit 2014 eine ZOE „erfahre“ mich voll inhaltlich Joelles Erkenntnissen anschließen!
Harald

Olaf Peter
Olaf Peter
22 Januar 2021 21 h 24 min

Ich fahre seit 2014 ebenfalls ZOE 20 kWh, mittlerweile „Zweitwagen“ ZOE 40 kWh 🙂 – insgesamt ca. 160.000 km (=ca. 10t CO2 gespart – Strom von Greeenpeace).

Bin mit dem auch mal nach Köln gefahren und jahrelang morgend und abends je 50km. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Autobahn spart, wenn man sich konsequent und ausschließlich hinter LKWs klemmt (=10 – 11 kWh auf 100 km im ECO-Modus ohne Heizung)- den besten WIndschatten haben die Autotransporter.

Michael
Michael
22 Januar 2021 22 h 32 min

Heizung ausgeschaltet lassen,
auf der Autobahn max. 80 km/h – konstante Geschwindigkeit.
Leichtes Gefälle: Leerlauf.
Nachtfahrten meiden.
Mein Fahrzeug: Smart forfour eq.

EVpositiv
EVpositiv
26 Januar 2021 20 h 36 min

Wir fahren seit 2015 denn KIA Soul EV mit 27 kWh-Batterie. Die effektive Reichweite ist etwa 150 km. Verbrauch ca. 12-15 kWh/100 km. Wenn man unterwegs bis ca. 80 % lädt und eine Reserve von 20 % haben möchte, bleiben etwa 60 % unterwegs für die Strecke bis zur nächsten Nachladung, d.h. ca. 90 km. Mit dem CHAdeMO sind das jeweils Ladepausen von unter 15 Minuten (CHAdeMO heisst auf japanisch „Zeit für einen Tee“ :-). Also gut planen und Ausweichladesäulen B+C in ca. 10-20 km Abstand von der geplanten Ladestation A. Die Ladeinfrastruktur ist inzwischen deutlich besser als 2015/16 ! Unsere letzte grössere Strecke 2019 von Zürich an den Tegernsee in Bayern und zurück ging ohne Stress und ohne zu zahlen (!) (1000 km, Landi, Lidl, Kaufland, Aldi-Süd). Fahrweise Autobahn 100-120 km/h, Landstrasse max. 80 km/h, tagsüber, Sommer. Zuhause laden wir praktisch alles vom Dach, s. http://www.staerk-erdwaerme.ch unter „Situation“.

Aspartic
Aspartic
27 Januar 2021 10 h 48 min

Der iOn hat zwar einen „kleinen Motor“, aber es geht hier wohl mehr um die kleine Batterie!

Es sind in dem Artikel wohl eher kWh anstelle von kW gemeint, die in einer bestimmten Zeit geladen werden können?

Warum sollte ich bei so einer Tour Ladestationen meiden, die nur tagsüber geöffnet haben? Oder ist Joëlle immer nur nachts gefahren?

Last edited 6 Monate zuvor by Aspartic
EVpositiv
EVpositiv
28 Januar 2021 18 h 27 min

Noch was für Langstrecken mit kleinen Batterien: Es reduziert den Stress, wenn man die richtigen Kabel dabei hat. Nicht jede Ladesäule hat den richtigen Stecker bzw. das passende Kabel. Je nach den Ladebuchsen am Auto sollte man geeignete Übergangskabel dabei haben. Bei unserem Soul EV mit Typ 1-Buchse sind das: Übergangskabel von Typ 2 auf Typ 1 und Ladekabel von Typ 2-Buchse auf KIA Buchse Typ 1. Zusätzlich natürlich das Ladekabel vom Soul EV zu einer Haushaltssteckdose, ein 10m Verlängerungskabel und ein Übergangsstück Schuko auf Schweizer Stecker. So lässt sich entspannt reisen. 2-3 verschiedene Ladekarten und Kreditkarten tun ein übriges.

Oli Kincs
Oli Kincs
15 Februar 2021 18 h 24 min

Netter Artikel. Leider für die Masse der Autofahrer nicht realistisch und somit nicht akzeptabel.
Man muss Idealist sein und den Luxus von viel Zeit haben.
Mir gelingt die Einhaltung der Ratschläge trotz meiner Überzeugung zur E-Mobilität kaum.
Berufsbedingt. Und weil z.B. die Fahrten zu meinen betreuungsbedürftigen Eltern nicht das halbe Wochenende an Fahrzeit brauchen dürfen.
Um E-Mobilität flächendeckend Akzeptanz zu verschaffen, braucht es ordentliche Reichweiten, ein gutes Ladenetz und kurze Ladezeiten.

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